Interview: Warum der Einsatz von Tablets an Grundschulen kritisiert wird

Aus dem Bonner GENERAL-ANZEIGER am 20. Februar 2024:

„Auch aus dem Alltag von Kindern sind Bildschirme nicht mehr wegzudenken. Über den Einsatz von Tablets an Grundschulen wird jedoch viel diskutiert. Wir haben Pädagogen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zu ihren Erfahrungen befragt.“ –

… darunter auch den Bonner Erziehungswissenschaftler und Bildungsethiker Axel Bernd Kunze

https://ga.de/bonn/stadt-bonn/warum-der-einsatz-von-tablets-an-grundschulen-kritisiert-wird_aid-107437597

Jahresrückblick: Literatur zur Kindheitspädagogik aus dem Jahr 2023

Sammelwerke:

Kunze, A. B., & Püttmann, C. (Red.) (2023): Gelingende Erziehung reflektiert praktizieren (Pädagogikunterricht. Sonderheft Unterrichten an Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik). Verband der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen.

Zeitschriftenartikel:

Kunze, A. B. (2023). Arbeitsfeld Erzieherausbildung. Bildungs- und berufspolitische Entwicklungen im Kontext sozialpädagogischer Ausbildungsgänge. Pädagogikunterricht, 2023(Sonderheft), 16-20.

Kunze, A. B. (2023). Auslandspraktika in der Erzieherausbildung. Pädagogikunterricht, 2023(Sonderheft), 54-56.

Kunze, A. B. (2023). Für alle, die sich noch weiter informieren möchten. Pädagogikunterricht, 2023(Sonderheft), 30-31.

Kunze, A. B. (2023). Baden-Württemberg. Forum. Nachrichten aus dem Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik, 2023/24, [1-3].

Kunze, A. B. (2023). Kindertagespflege für Professionals. Pilotprojekt mit Kreisjugendamt und Ludwig-Schlaich-Akademie. Einblicke in die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt, 2023(Schuljahr 2022/23), 3.

Kunze, A. B. (2023). Naturpädagogik steht im Mittelpunkt – Neues Kompetenzprofil übergeben. Ergänzend zum religionspädagogischen Profil wird der Schwerpunkt Naturpädagogik Querschnittsthema. Eckstein, 2023(75), 5.

Kunze, A. B. (2023). Die Kinderstiftung Funke stellt sich vor. Geschäftsführererin Julia Funke referierte über Kinderarmut und Projekte, welche die Kinderstiftung unterstützt. Eckstein, 2023(74), 5.

Kunze, A. B. (2023). Was machte eine Ombudsstelle? Melanie Staimer stellt die Ombudschaft in der Jugendhilfe vor. PiA-Auszubildende diskutieren reale Fälle. Eckstein, 2023(74), 5.

Kunze, A. B. (2023). Kita-Krise. Die Welt, 2023(156), 8.

Sonstiges:

Bank, V.; Barben J.; Bender, P.; Bossard, C.; Breithausen, J.; Büchter-Römer, U.; Damberger, T.; Dammer, K.-H.; Fuchs, T.; Glöckler, M.; Grebe-Ellis, J.; Hackl, B.; Herchert, G.; Hungerbühler, N.; Jongebloed, H.-C.; Kaenders, R.; Kissling, B.; Klein, H.-P.; Krautz, J.;  Kübler, H.-D.; Kunze, A. B.; Ladenthin, V.; Lankau, R.; Möller, C.; Rekus, J.; Reuter, I.; Rittelmeyer, C.; Rodens, K.; Rostalski, F.; Sonar, T.; Spitzer, M.; Teuchert-Noodt, G.; Türcke, C.; Wegner, A.; Weiss, Y.; Wittmann, E. C.; Zierer, K. (2023). Wissenschaftler fordern Moratorium der Digitalisierung in KITAs und Schulen. URL: https://die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2023/11/moratorium_pub_17nov23.pdf.

Kunze, A. B. (2023). Unterrichten an Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik. URL: https://www.beaonline.de/2023/06/sonderheft-2023-der-zeitschrift-paedagogikunterricht/.

Kunze, A. B. (2023). Rezension: 25 Berufe, die die Welt besser machen?. URL: https://bildung-und-ethik.com/2023/12/20/rezension-25-berufe-die-die-welt-besser-machen/.

Kunze, A. B. (2023). Musikalische Elementarbildung: Wichtig für die gesamte Bildungsbiographie … URL: https://bildung-und-ethik.com/2023/10/19/musikalische-elementarbildung-wichtig-fur-die-gesamte-bildungsbiographie/.

Kunze, A. B. (2023). Grußwort: Bildung, Erziehung und Betreuung „selber denken“. URL: https://bildung-und-ethik.com/2023/07/20/gruswort-erziehung-bildung-und-betreuung-selber-denken/.

Replik: Gesellschaft für Bildung und Wissen antwortet auf Kritik am „Moratorium der Digitalisierung in KiTas und Schulen“

„Auf der Website der Gesellschaft für Bildung und Wissen ist eine Forderung nach einem Moratorium der Digitalisierung in KITAs und Schulen formuliert. Aktueller Anlass dieser Forderung dürfte die Entscheidung der schwedischen Regierung sein, den Tablet-Einsatz in Schulen der Primarstufe zu stoppen. Hintergrund sind Ergebnisse, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karolinska-Instituts vorgelegt haben. […] Auf diese Positionierung hat Hans-Jürgen Elschenbroich (E.), Mathematiker und Informatiker, im journal des Verbandes zur Förderung des Mint-Unterrichtes (MNU) in der Rubrik „MNU-Standpunkt“ reagiert.“

Die Replik der Gesellschaft für Bildung und Wissen auf Hans-Jürgen Elschenbroich lesen Sie hier:

Rezension: 25 Berufe, die die Welt besser machen?

Berufliche Orientierung ist ein wichtiges Thema. Zumal in einer Welt an Ausbildungen und Studiengängen, die immer vielfältiger und unübersichtlicher werden. Und Berufsorientierung beginnt schon früh, etwa mit Bilderbüchern, die Kinder in die reale Welt der Berufe einführen. Auch der Rezensent hatte solche Bücher, wie er sich noch heute erinnert.

Der vorliegende Titel „Alle helfen“ führt möglicherweise in die „reale Welt“ ein – aber auf welche Weise? Weniger „ermutigend“, wie der Klappentext verspricht, sondern in hohem Grade wertend. Es wäre nichts dagegen zu sagen, helfende Berufe vorzustellen (wobei der Band mit Oma und Assistenzhündin durchaus liebenswert die Berufswelt im engeren Sinne überschreitet). Doch hier geht es um einseitige politische Wertungen. Feuerwehrmänner, Assistenzhunde, Bergretter und Hebammen kann man zu jenen – so der Untertitel – Berufen zählen, „die die Welt besser machen“ (über die  sprachlich unelegante Wortwiederholung schauen jetzt einmal hinweg). Doch wie ist es etwa mit Klimaaktivisten oder Seenotrettern (im Mittelmeer)? Hier werden Kinder politisch vereinnahmt. Die politische Debatte um Schleuserkriminalität oder die rechtliche Debatte um eine Abgrenzung zu Nötigung und Extremismus werden bewusst ausgeblendet. Entwicklungspsychologisch ist das verständlich. Aber gerade das macht den Band als Kinderbuch ungeeignet: Wo Kinder einseitig politisch vereinnahmt und mit Inhalten überfallen werden, die sie denkend (noch) gar nicht nachvollzogen werden, werden das pädagogische Überwältigungsverbot und das Kontroversitätsgebot verletzt.

Gutgemeint ist mitunter das Gegenteil von gut gemacht. Dies ist im vorliegenden Fall umso bedauerlicher, weil das Buch an sich ansprechend gestaltet ist und zum Entdecken und „Immer-wieder-zur-Hand-Nehmen“ einlädt. Doch: Lieber Finger weg von diesem Buch. Es gibt bessere, kindgerechtere Bilder- und Kinderbücher, welche die Welt der Berufe erschließen und Mündigkeit fördern – damit sich Kinder, wenn sie älter geworden sind, tatsächlich eine eigenständige politische Meinung bilden und sich informiert und selbstbestimmt für einen Beruf entscheiden können.

Rike Drust, Horst Klein: Alle helfen. 25 Berufe, die die Welt besser machen, Leipzig: Klett Kinderbuch 2023, 60 Seiten, 18 Euro.

Gesellschaft für Bildung und Wissen: Digitalisierung in der Bildung erzeugt deutliche Nebenwirkungen

Pressemitteilung der Gesellschaft für Bildung und Wissen vom 22.11.2023

(Vorbemerkung der Redaktion: „Bildungsethik“ verwendet aus politischer, pädagogischer und ethischer Überzeugung keine Gendersprache; im Folgenden wird diese lediglich als Zitat aus der Pressemitteilung der Gesellschaft für Bildung und Wissen übernommen)

40 Wissenschaftler:innen fordern Moratorium für Digitalisierung an Schulen und Kitas!

Grund: Sinkende Lernleistung, negative gesundheitliche, psychische und soziale Nebenwirkungen

Frankfurt am Main, 22.11.2023: Über 40 führende Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen fordern zusammen mit Kinder- und Jugendärzten von den Kultusminister:innen der Länder ein Moratorium für die Digitalisierung an Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen. Unter den Erstunterzeichnern sind führende Experten wie der Ordinarius für Schulpädagogik Prof. Klaus Zierer (Universität Augsburg), die Mediziner Prof. Manfred Spitzer (Universitätsklinik Ulm) und Prof. Thomas Fuchs (Jaspers-Lehrstuhl Universität Heidelberg) sowie der Medienpädagoge Prof. Ralf Lankau (Hochschule Offenburg).

„Wir fordern die Kultusminister:innen aller 16 Bundesländer auf, bei der Digitalisierung an Schulen und Kitas ein Moratorium zu erlassen“, sagt Prof. Ralf Lankau, einer der Initiatoren des Aufrufs. „Die wissenschaftliche Erkenntnis ist inzwischen, dass Unterricht mit Tablets und Laptops die Kinder bis zur 6. Klasse nicht schlauer, sondern dümmer macht. Hinzu kommen laut Studien negative gesundheitliche, psychische und soziale Wirkungen durch den vermehrten Einsatz digitaler Geräte im Unterricht. Jetzt ist der Zeitpunkt, dass die Schulpolitik auf die Pädagogen und Kinderärzte dieses Landes hört und den Versuch des digitalen Unterrichts abbricht! In Schweden ist es bereits so weit: Die schwedische Bildungsministerin stoppte den Tablet-Einsatz in der Primarstufe. Das können die Kultusminister:innen in den Ländern nun auch tun.“

Der Moratoriumsaufruf in voller Länge und mit allen Erstunterzeichnern: https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/wissenschaftler-fordern-moratorium-der-digitalisierung-in-kitas-und-schulen.html

Die skandinavischen Länder waren Vorreiter in der Digitalisierung von Bildungseinrichtungen. Doch die schwedische Regierung korrigierte 2023 die Entscheidung ihrer Vorgänger, bereits Vorschulen des Landes verpflichtend mit digitalen Geräten auszustatten. Der Grund für das Umdenken ist die Stellungnahme von fünf Professor:innen des renommierten Karolinska-Instituts (Stockholm), die die Strategie der Digitalisierung von Schulen in einem Gutachten als falsch kritisierten: Das Gutachten kommt zum Schluss, dass die behaupteten positiven Befunde nicht belegbar seien. Die Forschung habe stattdessen gezeigt, dass „die Digitalisierung der Schulen große negative Auswirkungen auf den Wissenserwerb der Schüler“ habe. Die Ziele (Bildungs- und Chancengerechtigkeit, Unterrichtsverbesserung, gesellschaftliche Teilhabe) würden nicht erreicht, im Gegenteil: „Es ist offensichtlich, dass Bildschirme große Nachteile für kleine Kinder haben. Sie behindern das Lernen und die Sprachentwicklung. Zu viel Bildschirmzeit kann zu Konzentrationsschwierigkeiten führen und die körperliche Aktivität verdrängen“ (Gutachten des Karolinska-Instituts von 2023, einer der besten medizinischen Forschungseinrichtungen der Welt).

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat 2023 Leitlinien zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend herausgegeben, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie von vielen Fachverbänden aus Medizin, Psychologie und Suchtprävention mitgetragen werden. Die wichtigste Empfehlung für alle Altersstufen: Reduktion der Bildschirmzeiten, keine eigenen Geräte für Kinder und keinen unkontrollierten, unbegleiteten Zugang zum Internet.

Der U.S. Surgeon General (oberste Gesundheitsbehörde in den USA) hat 2023 eine Studie zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen herausgegeben. Sie zeigt detailliert auf, wie stark junge Menschen von digitalen Medien beeinflusst und abhängig werden. Die immer längere Nutzungsdauer und das immer frühere Einstiegsalter habe Folgen für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Körperunzufriedenheit, gestörtes Essverhalten, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, geringes Selbstwertgefühl, Depression.

Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V.

Die im Juni 2010 gegründete Gesellschaft für Bildung und Wissen dient der Auseinandersetzung mit den Grundzügen, Voraussetzungen und Folgen der gegenwärtigen umfassenden Bildungsreform von Schule und Hochschulen. Sie will Beiträge leisten zur öffentlichen Debatte über das Ziel, die Inhalte und Methoden dieser Reform.

Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V.
Didaktik der Biowissenschaften
Riedberg / Biologicum / Flügel D
Max-von-Laue-Straße 13
60438 Frankfurt am Main
https://bildung-wissen.eu

Moratorium der Digitalisierung in Schulen und Elementarbildung: Erklärung kann mitgezeichnet werden

Über 40 führende Experten aus Pädagogik und Medizin fordern einen Stopp (Moratorium) der Digitalisierung an Schulen und Kitas, aus Sorge um die Zukunft der Kinder, als Reaktion auf den Digitalisierungshype und die Bildungskatastrophe. Dies ist ein bemerkenswerter Schritt:

Helfen Sie mit! Mailen Sie diesen Appell an ihre Freunde, Erzieher, Lehrer, Rektoren, Verbände, Entscheidungsträger. Wenn Sie im Erziehungs-, Medien,- oder Medizinbereich arbeiten und diesen Aufruf selbst unterzeichnen möchten, schicken Sie bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen, Berufsbezeichnung und Ort an gbw-moratorium@bildung-wissen.eu, Betreff „GBW-Moratorium unterzeichnen“.

Erklärung: Wissenschaftler fordern Moratorium der Digitalisierung in KiTas und Schulen

Axel Bernd Kunze ist Mitunterzeichner einer Erklärung der Gesellschaft für Bildung und Wissen e. V., mit der Wissenschaftler ein Moratorium der Digitalisierung in KiTas und Schulen fordern:

Zusammenfassung

Digitalisierung gilt derzeit im Bildungsbereich für alle Altersstufen als zeitgemäße Lösung von Bildungsfragen. Tatsächlich sind die Wirkungen und Nebenwirkungen digitaler Medien auf Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse wissenschaftlich oft ungeklärt. Vielmehr verdichten sich die wissenschaftlichen Hinweise auf enorme Nachteile und Schäden für die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen durch digitale Medien. Im Sinne der Fürsorgepflicht öffentlicher Bildungseinrichtungen fordern wir daher ein Moratorium der Digitalisierung insbesondere der frühen Bildung bis zum Ende der Unterstufe (Kl. 6): Es müssen zuerst die Folgen der digitalen Technologien abschätzbar sein, bevor weitere Versuche an schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen mit ungewissem Ausgang vorgenommen werden. Diese haben nur ein Leben, nur eine Bildungsbiografie und wir dürfen damit nicht sorglos umgehen.

Zu untersuchen sind insbesondere Fragen der medizinisch-psychologischen, der pädagogisch-didaktischen und der politisch-demokratietheoretischen Implikationen. Zu den wissenschaftlich fundierten Einsprüchen zählt etwa die Stellungnahme von fünf Professorinnen und Professoren des schwedischen Karolinska-Instituts. Sie warnen vor negativen Auswirkungen von Bildschirmmedien auf das Lernen und die Sprachentwicklung von Kindern. Der U.S. Surgeon General warnt vor den Folgen für die generelle mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch längere Nutzungsdauer und das immer frühere Einstiegsalter bei Bildschirmmedien. Das korrespondiert mit Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Empfehlungen von Kinderärzten und Psychologen. Die UNESCO kritisiert im „2023 Global Education Monitor“ darüber hinaus, dass bei aktuellen IT-Konzepten für Bildungseinrichtungen nicht das Lernen und der pädagogische Nutzen im Mittelpunkt stünden, sondern wirtschaftliche Interessen. Dazu kommen immer mehr Datenverarbeitungssysteme, die als „Künstliche Intelligenz“ (KI) automatisiert beschulen und testen sollen, um fehlende Lehrkräfte zu ersetzen. Dabei hat zuletzt die Corona-Pandemie das Scheitern solcher Ersatzsysteme belegt. Der Deutsche Ethikrat warnt daher in seinen Empfehlungen zur „KI und Bildung“ explizit vor der Ersetzung der Lehrkräfte durch Computerprogramme, die UNESCO empfiehlt den Umgang mit KI erst ab 13 Jahren.

Es ist daher dringend notwendig, die einseitige Fixierung auf Digitaltechnik in KITAs und Schulen zu revidieren, um interdisziplinär und wissenschaftlich fundiert, mit Fokus auf Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse über IT und KI in Bildungseinrichtungen zu diskutieren. Bei Erziehung und Unterrichten muss das Wohl der Lernenden und die Wirksamkeit pädagogischen Handelns im Mittelpunkt stehen. Dazu fordern wir ein Moratorium und den öffentlichen Diskurs über die notwendigen pädagogischen Prämissen des Einsatzes digitaler Medien in Bildungseinrichtungen.

Quelle: https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/wissenschaftler-fordern-moratorium-der-digitalisierung-in-kitas-und-schulen.html

Dort finden Sie auch eine Langfassung der Forderungen und eine Liste der Erstunterzeichner.

Rezension: Bildungsgeschichtlich interessante Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg

2021 konnten die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern. Dies gilt auch für die Evangelische Hochschule Ludwigsburg in Trägerschaft der Evangelischen Landeskirche in Württemberg: 1971 entwickelte sich aus der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik in Reutlingen eine Fachhochschule. Diese fusionierte 1998 mit der kirchlichen Fachhochschule in Ludwigsburg, die aus der Kirchlichen Ausbildungsstätte für Diakonie und Religionspädagogik hervorgegangen war.

Die anlässlich des Jubiläums 2022 in der Reihe „Bildungsprozesse in kirchlich-diakonischen Handlungsfeldern“ vorgelegte Festschrift mit dem Titel „Sozial. Evangelisch. Innovativ. 50 Jahre Evangelische Hochschule Ludwigsburg“ beschreibt nicht allein die historische, institutionelle und disziplinäre Entwicklung der landeskirchlichen Hochschule. Vielmehr gibt sie zugleich einen bildungsgeschichtlich interessanten Überblick, wie sich die Hochschullandschaft im Südwesten entwickelt hat.

Teil A

Renate Kirchhoff und Bastian Kaiser sprechen von vier Entwicklungssträngen: den frühen Universitätsgründungen in Heidelberg, Freiburg i. Brsg. und Tübingen, den Fach- und Ingenieursschulen (seit den Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts ergänzt um die Berufsakademien und Dualen Hochschulen) sowie den universitären Neugründungen seit dem neunzehnten Jahrhundert (z. B. in Karlsruhe, Stuttgart oder in Folge der Bildungsdebatte der vergangenen Sechzigerjahre in Konstanz, Mannheim oder Ulm). Den vierten Strang bildeten die Hochschulen, die für das Sozial-, Gesundheits-, Erziehungs- und Bildungswesen in Kirche und Gesellschaft ausbilden, deren Wurzeln liegen vor allem in der Gründung sozialer Frauenschulen. Mittlerweile sind aus diesen akademischen Ausbildungsstätten wissenschaftsgeleitete Hochschulen entstanden. Zu den neueren Entwicklungen zählt die Möglichkeit, den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften thematisch begrenzt das Promotionsrecht zu verleihen.

In einzelnen Kapiteln wird die Entwicklung der in Ludwigsburg und Reutlingen vertretenen Fächer nachgezeichnet: Soziale Arbeit, Religions- und Gemeindepädagogik, Heilpädagogik, Pflegewissenschaft sowie Kindheitspädagogik. Die letztgenannte Disziplin, die im 2024 ihr zwanzigjähriges Bestehen im deutschen Hochschulsystem feiern kann, wird in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg angeboten. Besonders hervorzuheben ist das erfolgreiche Integrierte Studienmodell, das die beiden Hochschulen mit sechs evangelisch-württembergischen Fachschulen für Sozialpädagogik anbieten und das den dortigen Auszubildenden eine Doppelqualifikation als Erzieher und Kindheitspädagoge mit Bachelorabschluss ermöglicht.

Weitere Beiträge der Festschrift widmen sich gesellschaftlich-historischen Veränderungen in der studentischen Selbstverwaltung, der Inklusionsforschung oder der Religionspädagogik.

Teil B

Der zweite Teil der Festschrift beleuchtet aktuelle Entwicklungsperspektiven, beispielsweise im Feld der Masterstudiengänge und in der Kooperation von Hochschulen, in der Menschenrechtsbildung, in der Internationalisierung oder Digitalisierung, im Theorie-Praxis-Transfer, in der integrierten Forschung oder im Unternehmentum, das auch im sozialen Bereich aus Hochschulen erwachsen kann.

Claudia Schulz wirbt in ihrem Beitrag vor allem darum, dass sich die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften noch stärker als bisher für Fachkräfte mit Berufserfahrung öffneten: „Gelingt dies, kann die akademische Bildung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften gerade für Menschen mit einem hohen Interesse an der Praxis und ihrer Entwicklung zum Sprungstab werden“ (S. 187).

Teil C

Im abschließenden und kürzesten Teil formulieren der Rektor der Hochschule, Norbert Collmar, sowie die Studiengangsleiterin für Religions- und Gemeindepädagogik, Andrea Dietzsch, ihre Vision für die Weiterentwicklung der Jubilarin: Hochschulen für Angewandte Wissenschaften seien Seismographen für gesellschaftliche und disziplinäre Entwicklungen. Mit der Förderung von Bildungsgerechtigkeit, Durchlässigkeit im Bildungssystem akademischer Teilhabe leisteten sie wesentliche Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung, sie qualifizieren ihre Absolventen dazu, den Bildungs-, Pflege- und Gesundheitsbereich kompetenz mitzugestalten und begleiteten – in Gestalt kirchlicher Hochschule – den Einzelnen über den beruflichen Horizont hinaus bei seiner individuellen und religiösen Identitätsfindung.

Der Band greift über den Rahmen einer institutionsbezogenen Festschrift deutlich hinaus und bietet interessante Einblicke in hochschul- und disziplinpolitische Entwicklungen im Bereich der Sozial-, Gesundheits- und Pflegestudiengänge.

Norbert Collmar, Andreas Dietzsch (Hgg.): Sozial. Evangelisch. Innovativ. 50 Jahre Evangelische Hochschule Ludwigsburg (Bildungsprozesse in kirchlich-diakonischen Handlungsfeldern; 3), Münster (Westf.)/New York: Waxmann 2022, 305 Seiten.

Appell: BeA neuer Unterstützer von „#NeustartBildungJetzt“

Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik unterstützt den Appell #NeustartBildungJetzt

Im März 2023 hat ein breiter Kreis aus Stiftungen, Gewerkschaften und Verbänden einen Appell an den Bundeskanzler und die Regierungschefs der Länder veröffentlicht. Angesichts der gravierenden Probleme im deutschen Bildungssystem fordern sie einen Nationalen Bildungsgipfel als Initialzündung für einen grundlegenden gesamtgesellschaftlichen Reformprozess.

Der Nationale Bildungsgipfel soll der Auftakt sein zu einem kontinuierlichen Dialog- und Reformprozess gemeinsam mit Bildungs-, Wissenschafts- und Jugendministern von Bund und Ländern, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildungspraxis, Zivilgesellschaft sowie Eltern, Kindern und Jugendlichen.

Dem Appell haben sich mittlerweile über hundert Organisationen angeschlossen. Der Appell mitsamt der Liste der unterstützenden Organisationen ist auf der zentralen Website www.neustart-bildung-jetzt.de zu finden. Auf Social Media laufen die Aktivitäten unter #NeustartBildungJetzt.

Musikalische Elementarbildung: Wichtig für die gesamte Bildungsbiographie …

„Wir gehen davon aus, dass nur jemand, der fundierte Kenntnisse über das Musizieren mit Kindern besitzt und der selber die eigene Musikalität entdecken konnte, in der Lage ist, musikalischer Bezugspunkt für die Kinder zu werden.“

So heißt es in der Konzeption für unseren Profilbereich „Singen mit Kindern“, den wir dank der sehr guten Kooperation mit der gleichnamigen Stiftung anbieten können. Mit unseren praxisorientierten Profilfächern möchten wir den Auszubildenden unserer Fachschule ermöglichen, individuelle Interessen und Kompetenzen auszubauen und für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fruchtbar zu machen. Ihr wiederholter Besuch heute bei uns, ist ein wertvolles Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung, für unsere Auszubildenden, für unsere Fachkonferenz Musik/Rhythmik und für unsere Fachschule. Wir freuen uns darüber sehr, im Namen der Schulleitung und des Kollegiums herzlichen Dank für Ihr Kommen. Und wir freuen uns darauf, auch künftig mit Ihnen und Ihrer Stiftung Pädagogische Fachkräfte ausbilden zu können, die zu wichtigen „musikalischen Bezugspunkten“ für die ihnen anvertrauten Kinder werden. Musikalische Früherziehung und Elementarbildung ist sehr wichtig für die gesamte weitere Bildungsbiographie – und darüber hinaus.

Ihnen, liebe Schülerinnen, die Sie heute ihre Urkunden in Empfang nehmen durften, im Namen der Schulleitung und des Kollegiums noch einmal ganz herzliche Glückwünsche und Anerkennung für Ihre Leistung. Wir wünschen Ihnen künftig viel Freude beim Singen mit Kindern, wo immer Sie auch beruflich tätig werden.

(aus einem Grußwort der Schulleitung zur feierlichen Urkundenverleihung an Absolventinnen des Profilfaches „Singen mit Kindern“ im Beisein der Stiftungsvorsitzenden)