Tag der Freien Schulen Baden-Württemberg am 25. November 2016

Den heutigen 25. November 2016 hat die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Baden-Württemberg erneut zum „Tag der Freien Schulen“ ausgerufen. Die Trägerverbünde der Freien Schulen möchten mit diesem Tag auf die Vielfalt und Innovationskraft, die von der Arbeit der Freien Schulen ausgeht, aufmerksam machen. Die Freien Schulen sind wichtiger und etablierter Bestandteil der baden-württembergischen Schullandschaft und bereichern diese auf vielfache Weise durch alternative Lern- und Lehrkonzepte. Die Besuche in den Freien Schulen ermöglichen den Landespolitikern nicht nur, deren Schulalltag kennen zu lernen, sie können sich darüber hinaus auch über neue Konzepte und Ideen informieren, mit denen die Freien Schulen den Herausforderungen begegnen, die Gesellschaft und Bildungspolitik an die Schulen stellen.

Anlässlich des „Tages der Freien Schulen“ konnte Gesamtschulleiter PD Dr. Axel Bernd Kunze Herrn Claus Paal, den örtlichen Landtagsabgeordneten aus Weinstadt, an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt begrüßen. In einem Hintergrundgespräch mit der Schulleitung und der Fachschaft Gemeinschaftskunde informierte er sich über Ausbildungsmöglichkeiten, Fortbildungsangebote und Schwerpunkte der Schulentwicklung. Beide Seiten waren sich darin einig, dass die Freien Schulen in Baden-Württemberg verlässliche finanzielle und personalpolitische Rahmenbedingungen benötigen. Beeindruckt zeigte sich der Arbeits- und Wirtschaftspolitiker nicht zuletzt von der hohen Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Ausbildungsmöglichkeiten, welche die Fachschule anbietet: Die Bandbreite reicht von der Kinderpflegeausbildung für Bewerber mit Hauptschulabschluss über die Erzieherausbildung für Realschüler und Gymnasiasten bis zum Erwerb eines Bachelorabschluss im Integrierten Studienmodell, das die Schule künftig mit der Evangelischen und Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg anbieten wird. Vereinbart wurde eine Zusammenarbeit mit der neugegründeten „Forscherfabrik Schorndorf“. Dadurch kann nicht zuletzt der Profilbereich „Forschen und Experimentieren“ weiter gestärkt werden.

In der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Baden-Württemberg (AGFS) arbeiten Verbände von Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft (Privatschulen) zusammen. Die AGFS vertritt rund sechshundertvierzig allgemein und berufsbildende Ersatzschulen – einschließlich Sonderschulen – mit rund hundertzwanzigtausend Schülern. Hinzu kommen rund fünfhundert Ergänzungsschulen, die keine staatliche Entsprechung haben. Die AGFS bündelt die Interessen aller privaten Bildungseinrichtungen – sie erarbeitet Grundsätze und Ziele für das freie Bildungswesen und ist Ansprechpartnerin für Politik, Regierung und Schulaufsicht. Sie setzt sich für ein vielfältiges Schulwesen, größtmöglichen Gestaltungsspielraum und für gleiche finanzielle Rahmenbedingungen für die Privatschulen ein. Schulen in freier und staatlicher Trägerschaft bilden das öffentliche Bildungswesen.

Bildungspolitik: Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Erzieherausbildung

Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Erzieherausbildung sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, gerade auch im Hinblick auf Möglichkeiten der akademischen Weiterqualifizierung (die folgende Darstellung berücksichtigt vor allem die Situation in Baden-Württemberg).

Die an der Fachschule für Sozialpädagogik im Rahmen der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher erworbene Qualifikation entspricht im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR)  der Niveaustufe 6, das Kompetenzniveau am Ende der Ausbildungist damit einem Bachelorabschluss vergleichbar

Im Rahmen der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher ist es möglich, die allgemeine Fachhochschulreife erwerben. Schüler und Schülerinnen, die sich dazu entschließen, erhalten nach dem erfolgreichen Bestehen der Prüfung am Ende der schulischen Ausbildung ein „Zeugnis der Fachhochschulreife“, das ihnen die allgemeine Fachhochschulreife vermittelt. Mit dieser ist die Studienberechtigung nicht auf eine bestimmte Fachrichtung beschränkt. Das Zeugnis der Fachhochschulreife entspricht der Rahmenvereinbarung über Fachschulen der Kultusministerkonferenz vom 07. November 2002, derzeit in der Fassung vom 12. Dezember 2013.

Mit dem Erwerb der Fachhochschulreife stehen Erzieherinnen und Erziehern zahlreiche akademische Anschlussmöglichkeiten und Studiengänge offen:

So können sie mit der Fachhochschulreife grundsätzlich an einer Fachhochschule aufgenommen werden. Auch das Studium der Kindheitspädagogik an einer Pädagogischen Hochschule ist möglich. Über zusätzlich zu erbringende Voraussetzungen (z. B. Praktika, Aufnahmeprüfungen) informieren die Zulassungsstellen der Hochschulen.

Baden-Württemberg bietet mit der sogenannten zentralen, fachunabhängigen Deltaprüfung mittlerweile auch Schülerinnen und Schülern mit Fachhochschulreife die Möglichkeit, sich um einen Studienplatz zu bewerben, für den normalerweise das Abitur notwendig ist. Die Prüfung wurde so benannt, weil sie ermöglicht, das „Delta“ zwischen dem eigenen Schulabschluss und einem möglichen Wunschstudium zu schließen. Für Erzieherinnen und Erzieher mit Fachhochschulreife bietet dies zusätzliche interessante Anschlussmöglichkeiten in universitären Studiengängen (z. B. in einem Studium für das Lehramt).

In einigen Bundesländern können staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher mit Fachhochschulreife unter bestimmten Umständen auch ein Bachelorstudium an einer Universität aufnehmen.

In Baden-Württemberg stehen gegenwärtig an neun Hochschulen Bachelorstudiengänge der Frühen Kindheit zur Verfügung.

Ein Studium der (Frühen) Kindheit oder der Frühkindlichen Bildung und Erziehung kann als Möglichkeit der Weiterbildung und des beruflichen Aufstiegs für Leitungsfunktionen oder für eine Aufgabe als Fachberaterin/Fachberater genutzt werden.

Die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik kann mit bis zu 60 Credits auf ein Bachelorstudium der Frühen Kindheit angerechnet werden. Dies entspricht einer Studienzeitverkürzung um ein Drittel bzw. zwei Semester.

Die evangelischen Fachschulen in Württemberg bieten überdies die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Integrierten Studienmodell, das in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg angeboten wird. Wissenschaftspropädeutische Lehrveran­staltungen im Oberkurs bereiten bereits während ihrer schulischen Ausbildung auf das Studium vor. Während des Berufspraktikums arbeiten die Studierenden vier Tage in ihrer Praktikumseinrichtung, daneben sind sie bereits an der Hochschule immatrikuliert und absolvieren einen Studientag pro Woche. Auf diese Weise benötigen sie im Anschluss an die Verleihung der staatlichen Anerkennung zur Erzieherin/zum Erzieher, mit der das Berufspraktikum abschließt, nur noch drei Vollzeitsemester an der Hochschule bis zum Bachelor.

Die Katholische Hochschule Freiburg bietet gleichfalls eine Kooperation mit Fachschulen an. Dort steht für Absolventen kooperierender Schulen der Bachelorstudiengang Pädagogik offen, bei dem gleichfalls bis zu 60 Credits angerechnet werden können. Die Inhalte reichen von der Elementarbildung bis zur Erwachsenenbildung.

Nach dem erfolgreichen Erwerb eines Bachelorabschlusses (BA) kann das Studium in einem Masterstudiengang fortgesetzt werden. Ein Masterabschluss (MA) eröffnet Berufsaussichten im Höheren Dienst oder auch die Möglichkeit zur Promotion. Die Zugangsregelungen können sich zwischen einzelnen Bundesländern und Hochschulen unterscheiden; hierüber informiert die Zulassungsstelle der jeweiligen Hochschule.

Mit dem erfolgreichen Abschluss einer Fachhochschule erwerben Studenten in der Regel eine der allgemeinen Hochschulreife entsprechende Qualifikation, sodass sie von der Fachhochschule in einen verwandten universitären Studiengang wechseln können. Dabei ist die Anrechnung von bis zu 60 Credits während der ersten zwei Fachsemester an der Universität möglich. Teilweise bestehen für den Wechsel von der Fachhochschule zur Universität in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Regelungen.

Auch wer während der Erzieherausbildung keine Fachhochschulreife erworben hat, kann heute an zahlreichen Hochschulen als beruflich Qualifizierter unter bestimmten Voraussetzungen ein Studium aufnehmen. Vorausgesetzt wird in der Regel eine mindestens dreijährige Berufserfahrung.

Tagungsbericht: „Sorge für das gemeinsame Haus“

„Es ist unsere bescheidene Überzeugung, dass das Göttliche und das Menschliche einander begegnen in den kleinsten Details des nahtlosen Gewandes der Schöpfung Gottes, sorg im winzigsten Staubkorn unseres Planeten.“

(Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika „Laudato si'“)

„Ökologische Erziehung kann zwar keine Forderungen durchsetzen, aber alle befähigen und motivieren, sich zu engagieren. Ziel ist, den SchülerInnen ein ganzheitliches Weltbild und ökologische Urteilsfähigkeit zu vermitteln. So kann man auf Basis ökologischer Güterabwägung ethische Handlungsmöglichkeiten entwickeln, […] die Fesseln der Globalisierung abstreifen und dem Primat der instrumentellen, technischen Rationalität sinnvoll begegnen. Am Institut Dr. Flad wird bereits seit Jahrzehnten mit vielen Lerneinheiten und Vorträgen das von Franziskus postulierte Fundament für ganzheitlich ökologisches Denken und Handeln gelegt. Der Vortrag von Dr. Axel Bernd Kunze war somit ein Glied in einer Veranstaltungs-Reihe zu ökologischer Erziehung mit ethisch-christlichem Verantwortungsbewusstsein.“

(Auszug aus dem Vortragsbericht in der Zeitschrift „Der Benzolring. Informationen aus dem Institut Dr. Flad Stuttgart“, 37. Jg., Nr. 2/2016)

Der aktuelle „Benzolring“, der Informationsdienst des renommierten Instituts Dr. Flad in Stuttgart, erinnert in diesem Herbst an eine Gastvorlesung, die im Mai dieses Jahres stattfand: „Was kann ökologische Erziehung leisten?“, fragte Axel Bernd Kunze, Gesamtschulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Weinstadt sowie Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn, anlässlich des Erscheinens der ersten päpstlichen Umweltenzyklika „Laudato si'“. Wie der Vortrag deutlich machte, lohnt es sich, die Enzyklika nicht allein aus theologischer, ethischer oder naturwissenschaftlicher, sondern gerade auch pädagogischer Perspektive zu lesen. Denn Papst Franziskus räumt der Erziehung zu ökologischem Denken und Handeln mehr als nur eine Nebenrolle ein.

Den vollständigen Tagungsbericht können Sie in der Onlineausgabe des „Benzolrings“ lesen: http://www.chf.de/benzolring/benzolring201602.pdf

Neuerscheinung: Beitrag aus PROFIL – Zur Diskussion, 07/08-2016 online

Wenn das Akademische verloren geht …

Professoren, die lieber Lehrer sein möchten, und Studenten, die lieber Schüler bleiben wollen …

Der Beitrag aus dem Magazin des Deutschen Philologenverbandes, PROFIL,  ist auf den Internetseiten der Gesellschaft für Bildung und Wissen jetzt auch online zu lesen.

Heft 7/8-2016 – Zur Diskussion:

http://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2016/06/7_8_2016_Kunze.pdf

PROFIL-Titelgeschichte: Wenn das Akademische verloren geht …

Der Beitrag Wenn das Akademische verloren geht … Professoren, die lieber Lehrer sein möchten, und Studenten, die lieber Schüler bleiben wollen …, erstmals erschienen in den Burschenschaftlichen Mitteilungen 1/2016 (Bamberg/Leipzig 2016), ist als Titelgeschichte der aktuellen Doppelausgabe von PROFIL, der Verbandszeitschrift des Deutschen Philologenverbandes, nun einem größeren Leserpublikum zugänglich:

Axel Bernd Kunze: Wenn das Akademische verloren geht …, in: Profil. Das Magazin für Gymnasium und Gesellschaft (2016), H. 7-8, S. 22 – 37.

Gastvortrag an der Hochschule Esslingen

Auf Einladung von Professor Dr. Axel Jansa vom Studiengang „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ stellte der stellvertretende Schulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt, Privatodzent Dr. Axel Bernd Kunze, am 12. April 2016 in einem Gastvortrag an der Hochschule Esslingen die Unterrichtstätigkeit an einer Fachschule für Sozialpädagogik als mögliches Arbeitsfeld für Kindheitspädagoginnen vor. Deutlich wurde, welch vielfältige Anschlussmöglichkeiten eine Erzieherausbildung heute eröffnet. Der Vortrag „Lehren und Lernen an Fachschulen für Sozialpädagogik“ war Teil eines Seminars mit dem Titel „Qualifikation und Professionalisierung“. Äußerst engagiert diskutierten die Studentinnen des sechsten Fachsemesters mit dem Referenten über aktuelle Entwicklungen in der Erzieherausbildung. Gezielte Nachfragen aus dem Seminar zeigten, dass sich ein Teil der Teilnehmerinnen bereits vorab mit dem Thema beschäftigt hatte und sich vorstellen kann, sich nach Ende des Masterstudiums um eine Unterrichtstätigkeit zu bewerben. Der Esslinger Studiengang „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ besteht in diesem Jahr seit zehn Jahren. Die Fachschule in Weinstadt pflegt bereits seit längerem einen regen Austausch mit der benachbarten Hochschule in Esslingen: Studierende der Hochschule hospitieren regelmäßig in unserer Fachschule und erhalten so praxisnahe Einblicke in den Lehrbetrieb im Rahmen der sozialpädagogischen Ausbildung. Umgekehrt bietet die Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, an Lehrveranstaltungen teilzunehmen und Hochschulluft zu schnuppern. Der nächste „Tag der Hochschulen“, der regelmäßig im November stattfindet, soll hierzu wieder Gelegenheit bieten. Die bewährte Kooperation zwischen Fachschule und Hochschule im Rahmen einzelner Lehrveranstaltungen soll auch künftig fortgesetzt und weiterentwickelt werden – darin waren sich Professor Dr. Jansa und Dr. Kunze nach Ende des Gastvortrags einig.

Neues berufsethisches Fortbildungsmodul

„Kindergarten Kunterbunt“ bietet mittags nur ein Schweinefleischgericht an, „Kindergarten Sonnenschein“ hingegen ein Gericht mit Putenfleisch und alternativ noch ein vegetarisches Gericht. – Engagiert diskutierten die Teilnehmerinnen der laufenden Fortbildung zur Nachqualifizierung Pädagogischer Fachkräfte nach Paragraph 7 Kindertagesbetreuungsgesetz an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt über die beiden fiktiven Speisepläne. Schnell wurde deutlich: Hier geht es nicht nur um Fragen der Küchenorganisation. Hinter beiden Speiseplänen stecken Wertentscheidungen: Was ist einer Einrichtung wichtiger? Geht es in öffentlichen Kindergärten in erster Linie um Gleichheit oder um die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen? Und was fördert Integration besser?

Die Diskussion war Teil eines neuen Fortbildungsmoduls, das für die laufende Fortbildungsreihe unter der didaktischen Leitung von Herrn PD Dr. Kunze neu konzipiert und Ende Februar 2016 erstmals erprobt wurde. Herr Kunze ist habilitierter Bildungsethiker und stv. Schulleiter der Fachschule. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit ethischen Konflikten im Berufsalltag und lernten einen Leitfaden kennen, mit dem sozialpädagogische Teams auch ohne größere ethische Fachkenntnisse eine ethische Fallbesprechung durchführen können. Schnell wurde klar, an wie vielen Stellen im Berufsalltag einer Kindertageseinrichtung ethische Konflikte auftreten können.

Berufsethische Fragen finden in der Sozialpädagogik zunehmend Beachtung. Die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt reagiert mit dem neu entwickelten Fortbildungsmodul auf diese Entwicklung und möchte dadurch zugleich das diakonische Profil ihrer Fortbildungsangebote schärfen.

„Wissenschaft trifft Praxis“

„Wissenschaft trifft Praxis“ – unter diesem Motto fand am 21. November 2015 im Stuttgarter Rathaus der zweite Forschungstag des Hochschulnetzwerkes „Bildung und Erziehung in der Kindheit Baden-Württemberg“ statt. Professor Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff vom Zentrum für Kinder- und Jugendforschung der Evangelischen Hochschule Freiburg, zeigte in seinem Vortrag auf, wie dynamisch sich die kindheitspädagogische Forschung in den vergangenen zehn Jahren entwickelt habe. Engagiert diskutierte das Publikum, wie die Fachschulen neuere empirische Befunde in die Ausbildung angehender Erzieher und Erzieherinnen einbinden könnten. Vielversprechend – so der Freiburger Forscher – seien Forschungsprojekte mit der Praxis. Als Beispiel nannte er das Projekt „Herausforderndes Verhalten von Kindern in Kindertageseinrichtungen“ innerhalb des Transferverbundes Kindheitspädagogik. Das Projekt soll klären, wie das Thema curricular und didaktisch in der Erzieherausbildung verankert werden kann. Andreas Hirsch, Abteilungsleiter Kindertagesstätten bei der Stadt Pforzheim, wies in einem Korreferat darauf hin, dass die Fachschulen vor allem grundlegende Kompetenzen wie systemisches Denken oder Reflexionsfähigkeit vermitteln sollten. Diese seien eine unverzichtbare Grundlage für die notwendige Spezialisierung im Berufsleben und alle spätere Weiterbildung, für welche die Träger verantwortlich seien. Auf dem „Marktplatz“ vor dem Vortragssaal präsentierten sich die einzelnen Hochschulen mit ihren kindheitspädagogischen Bachelor-, Master- oder Weiterbildungsstudiengängen.

„Ebbes Bäck, ebbes Doktor“

„Gleichaltrige können am besten davon berichten, was eine Ausbildung bietet und wie interessant es ist, im Rahmen einer Berufsausbildung bereits von Anfang ganz praktisch Verantwortung zu übernehmen.“ – Mit diesen Worten unterstrich Dr. Peter Kulitz, Präsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages, wie wichtig das „Projekt Ausbildungsbotschafter“ in Baden-Württemberg sei. Die „Ausbildungsbotschafter“ gehen in Schulen der Region und berichten dort über ihre Ausbildungserfahrungen.
Kulitz äußerte sich im Rahmen der Veranstaltung „Ebbes Bäck, ebbes Doktor“, die am 18. November 2015 im Stuttgarter Haus der Abgeordneten stattfand. Der Titel stammt aus dem Mund des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der mit dem Zitat darauf aufmerksam machen wollte, wie wichtig ein gutes Verhältnis von beruflicher Ausbildung und akademischem Studium für die Gesellschaft ist.

Der Abend im Haus der Abgeordneten stand unter der Frage: „Wie bieten wir jungen Menschen die besten Berufschancen?“ Deutlich wurde, wie sehr sich Ausbildungs- und Studiengänge in den vergangenen Jahren verändert haben. Dies bietet neue Möglichkeiten. Herbert Huber, Vorsitzender des Berufsschullehrerverbandes Baden-Württemberg, und Professor Dr. Bastian Kaiser, Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, warben dafür, Ausbildung und Studium stärker miteinander zu verzahnen. Kompetenzen, die im Rahmen einer Ausbildung erworben werden, sollten auf ein späteres Studium angerechnet werden können.
Ausdrücklich wurde in der Diskussion auf das Beispiel der Erzieherausbildung verwiesen: Wer die schulische Ausbildung im Rahmen der Fachschule für Sozialpädagogik erfolgreich abgeschlossen hat, kann ein anschließendes Studium der Kindheitspädagogik in der Regel um zwei Semestern verkürzen.

Erster Süddeutscher Pädagogiklehrertag

Am 26. Februar 2015 war die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt Gastgeber für den Ersten Süddeutschen Pädagogiklehrertag, veranstaltet vom Verband der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen (VdP). Das Treffen sollte dazu dienen, die Angehörigen der pädagogischen Fächergruppe im Südwesten zu vernetzen und zum Austausch zusammenzubringen. Der Tag stand unter dem Motto „Global denken – regional vernetzt lernen“. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Pädagogikunterricht“ (35. Jahrgang, Heft 4, November 2015, S. 38 – 52) dokumentiert die Tagungsbeiträge nun in schriftlicher Form. „Pädagogikunterricht“ zählt zu den auflagenstärksten pädagogischen Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum.
Renate Fischer-Espey, Stephanie Geymann und Wolfgang Mack, im Kollegium der gastgebenden Fachschule zuständig für den Schulentwicklungsschwerpunkt Lernortkooperation, zeigen in ihrem Beitrag „Lernortkooperation als konkretes Beispiel für die Umsetzung regionalen Lernens“ (S. 40 – 45), wie die Zusammenarbeit unserer Fachschule mit den Praxiseinrichtungen der Region sich verändert hat und wie im gemeinsamen Dialog ein neues Konzept zur Verzahnung der beiden Lernorte Unterricht und Praxis erarbeitet wurde.
Axel Bernd Kunze, stellvertretender Schulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt und Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn, beschäftigt sich in seinem Beitrag „Regional lernen – global denken“ mit einer Didaktik Globalen Lernens. Dabei geht er der „Bedeutung der ganzmenschheitlichen Perspektive für Pädagogik und Erzieherausbildung“ nach (S. 46 – 52).
Vorangestellt ist den beiden Fachbeiträgen ein Tagungsbericht, ebenfalls aus der Feder von Axel Bernd Kunze (S. 38 f.). Darin erinnert er an das Grußwort von Pfarrerin Christa Epple-Franke zu Beginn des Pädagogiklehrertages. Die stellvertretende Geschäftsführerin des Evangelischen Schulwerks in Baden und Württemberg hatte vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die hohe Bedeutung grenzüberschreitenden Denkens und Lernens hervorgehoben. Unter Verweis auf ein Pauluswort machte sie deutlich, dass eine wichtige pädagogische Aufgabe gerade darin bestehe, den Einzelnen zu befähigen, sich in den anderen hineinzuversetzen.