Zwischenruf: Wer Kirche sucht, muss auch Kirche finden

Die deutschen Bischöfe haben einen neuen Vorsitzenden gewählt und mit dem Hildesheimer Oberhirten erstmals einen aus Norddeutschland (KirchenZeitung, 6/2026, S. 17). Diasporaerfahrung muss in Zeiten wie den unsrigen kein Fehler sein. Sozialethisch ist Heiner Wilmer, wenngleich in der Bischofskonferenz für gesellschaftliche und soziale Fragen zuständig, bisher nicht als profilierter Denker aufgefallen, eher als ein Theologe, der brav auf Linie des Zeitgeistes bleibt, nicht anecken möchte und dabei doch sein Bistum erkennbar auf Linkskurs gebracht hat, etwa durch Verpflichtung auf Gendersprache. 2023 hatte er in der Chrisammesse die Klimaaktivistin Greta Thunberg als eine „junge Prophetin“ gewürdigt und ihren friedlichen Protest gelobt. All dies lässt erwarten, dass er die Linie seines Vorgängers im Großen und Ganzen fortsetzen wird, vielleicht – wie es dem Naturell eines Ordensmannes entspricht – etwas weniger politisch und pastoral jovialer.

Es gibt in Europa, vereinzelt auch hierzulande durchaus ein neues Interesse am katholischen Glauben. Doch wer komt, muss in der Kirche auch finden, was er sucht. Hierfür braucht es theologische Tiefenschärfe und geistliche Strahlkraft, nicht mehr synodal verbrämte Funktionärsmacht und keine Kirche, die selber dazu beiträgt, das Land zu polarisieren und politisch zu spalten (der Kommentar auf S. 19 in derselben Ausgabe ist hierfür ein Paradebeispiel). Ein Ordensmann an der Spitze der deutschen Bischöfe könnte mutig und geradlinig neue Wege einschlagen – aber er muss dies auch wollen.

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