Zwischenruf: Neue Weichenstellung unter Deutschlands Bischöfen?

Die deutschen Bischöfe haben einen neuen Vorsitzenden gewählt und damit die Weichen für die kommende Zeit gestellt (Die Tagespost, 26.02.2026, S. 10). Sozialethisch ist Heiner Wilmer, wenngleich in der Bischofskonferenz für gesellschaftliche und soziale Fragen zuständig, bisher nicht als profilierter Denker aufgefallen, eher als ein Theologe, der brav auf der Linie des Zeitgeistes bleibt, nicht anecken möchte und dabei doch sein Bistum erkennbar auf Linkskurs gebracht hat, etwa durch Verpflichtung auf Gendersprache. 2023 hatte er in der Chrisammesse die Klimaaktivistin Greta Thunberg als eine „junge Prophetin“ gewürdigt und ihren friedlichen Protest gelobt. Beispiele in Aufsätzen und Hirtenbriefen Wilmers wirken konventionell und gestanzt, wenig originell und dann auch nicht recht überzeugend oder empathisch. All dies lässt erwarten, dass er die Linie seines Vorgängers im Großen und Ganzen fortsetzen wird, vielleicht – wie es dem Naturell eines Ordensmannes entspricht – etwas weniger politisch und pastoral jovialer. Aufgefallen ist Bischof Wilmer durch pastorale Initiativen wie den gemeinsamen Donnerstag, den er für sein Bistum vorschlug, doch auch dies ohne rechte Motivation zu einer überzeugenden Neuevangelisierung, die aus dem Reichtum der katholischen Tradition schöpfen will. Es gibt durchaus ein neu erwachendes Interesse am katholischen Glauben. Doch wer komt, muss in der Kirche auch finden, was er sucht. Hierfür braucht es theologische Tiefenschärfe und geistliche Ausstrahlungskraft statt oberflächlicher gesellschaftlicher Anpassung. Ein Ordensmann an der Spitze der deutschen Bischöfe könnte hier vorangehen und der Kirche wieder geistliche Strahlkraft geben – aber er muss dies zuallererst auch wirklich wollen.

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