Gesegnete Kar- und Ostertage

Noli me tangere.

Fra Angelico, San Marco (Florenz), um 1440

Liebe Leserinnen und Leser!

Das ist der Tag, den der Herr gemacht, wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.Der Vers ist dem Psalm 118 entnommen. Der Beter des Psalms hat viel Gutes erfahren, von Gott. Nun soll gesungen werden. Nun soll ein Dankfest gefeiert werden. Dieser Psalmvers ist in der christlichen Liturgie zum österlichen Freudenruf geworden. Zu Recht: Denn Gott hat uns Gutes erfahren lassen. Mehr als wir Menschen uns ausdenken können. Durch die Auferstehung seines Sohnes hat er uns Hoffnung auf neues Leben geschenkt, das allen Tod überwindet.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen gesegnete Kar- und Ostertage, ein frohes Osterfest sowie erholsame Ferientage. Ihr Axel Bernd Kunze

Münster: Abschiedsvorlesung im Sommersemster 2025

Die bisherige Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster, Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, hält Ende dieses Sommersemesters ihre Abschiedsvorlesung: am Freitag, 11. Juli 2025, um 11 Uhr im Audimax in der Johannisstraße 12 – 20. Die Sozialethikerin kann als Pionierin einer Sozialethik der Bildung gelten. Das von ihr in Bamberg und später in Münster geleitete DFG-Forschungsprojekt „Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung“ hat zentrale Grundlagen für einen eigenständigen Bildungsdiskurs innerhalb der Disziplin gelegt. Später hat sie sich verstärkt anderen Themen zugewandt, etwa der Pflegeethik. Die Münsteraner Forscherin wird nach ihrem Abschied als Seniorprofessorin weiterarbeiten.

In der aktuellen Ausgabe der Münsteraner Universitätszeitung findet sich ein Portrait über Marianne Heimbach-Steins:

https://www.uni-muenster.de/news/view.php?cmdid=14614

Zwischenruf: Freiheit braucht Bildung und Erziehung

Ein Land ohne Freiheit(sbewusstsein) ist auf Dauer nicht lebenswert. Doch das Freiheitsbewusstsein schwindet in bedenklichem Maße – und die wenigsten merken es. Und brauchen wohl auch keine Freiheit. Dass in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen, die einmal von ihrem Selbstanspruch her parteipolitisch neutral waren (ich meine nicht: wertneutral), eine parteipolitische Politisierung einzieht, ist nur ein Ausdruck dafür.

Die fehlende Aufarbeitung der freiheitswidrigen Coronapolitik und Ausgrenzung Andersdenkender während der Coronajahre sind nur zwei der Ursachen. Die Früchte ernten wir jetzt. Hochschullehrer, die tief in dei Coronapolitik verstrickt waren, wie Drosten oder Kempen werden uns weiterhin als moralische Vorbilder vorgezeigt. Ihre Ehrungen als „Hochschullehrer des Jahres“ oder Verteidiger der Wissenschaftsfreiheit werden immer fraglicher, je mehr Details über den politischen Druck auf das Robert-Koch-Institut ans Tageslicht kommen. Es steht zu befürchten dass sich das gesellschaftliche Klima unter der neuen Bundesregierung verschärfen wird, vor allem wenn die bleibenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht gelöst werden können. Der kommende Koalitionsvertrag wird aller Voraussicht nach ein Weiter-so beinhalten und – wie wir bei der Klimaneutralität gesehen haben – die Entwicklungsfesseln für unser Gemeinwesen sogar noch verfassungsrechtlich zementieren.

Ich habe früher in einem DFG-Forschungsprojekt gearbeitet, an dessen Wiege der sogenannte PISA-Schock stand und in dem vieles schon akademisch diskutiert und vorgedacht wurde, was heute immer deutlicher wird. Ich will nur einen Punkt nennen: Es kommt nicht mehr auf die Initiative des Einzelnen an. Alles wird in Rechtsansprüche gegenüber den Staat umgedeutet, der alles zu richten und zu erfüllen hat. Wo Freiheitsräume in Leistungsansprüche umgedeutet werden, geht die Freiheit verloren. Vorerst fährt unser Land auf Reserve, taumelt im „Rausch der Dekadenz“ (Josef Kraus) und verspielt zunehmend die notwendige Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft, die es bräuchte, um wieder auf die Beine zu kommen. Wer es sehen wollte, könnte sehen, was sich pädagogisch an unseren Schulen oder Hochschulen abspielt. Diese vermitteln nicht allein Wissen und Kompetenzen; sie sollten auch aufzeigen, wie diese gewertet sowie lebensdienlich und gemeinwohlförderlich eingesetzt werden können. Kurz: Es geht um Erziehung im weitesten Sinne. Aber über Erziehungsfragen zu reden, ist unbequem, man verschließt lieber die Augen. Denn über Erziehung zu reden, bedeutet, über unsere gemeinsamen Orientierungswerte zu reden. Wer erziehen will, braucht eine Vorstellung von gelingendem Menschsein, von dem, wohin er erziehen will. Und so haben wir die Bezugsdisziplin für Lehrer auf Bildungswissenschaft verkürzt. Doch es geht in einem Bildungssystem, das zur Freiheit befähigen will, immer um einen doppelten Auftrag: zu Bildung und Erziehung.

Was bleibt? Gegenwelten – nicht Utopien! – werden immer wichtiger – als kulturethsiches Langzeitgedächtnis, als Arche, als Ort, wo die analytischen Kräfte geschärft werden können. Denn diese werden wir noch dringend brauchen. Wir brauchen Orte, an denen eine Vorstellung überdauert, was Freiheit eigentlich ist und sein soll.

Neuerscheinung: Zweiter Band des Jahrbuches Wissenschaftsfreiheit erschienen

Der zweite Band des Jahrbuches Wissenschaftsfreiheit – herausgegeben vom gleichnamigen Netzwerk Wissenschaftsfreiheit e. V. – ist im Verlag Duncker und Humblot erschienen:

https://www.duncker-humblot.de/einzelheft/jahrbuch-wissenschaftsfreiheit-3227/?page_id=0

Mit dem zweiten Band verlasse ich den Herausgeberbeirat, da ich die Vereinslinie des gegenwärtigen Vorstands des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit nicht mehr mittragen kann.

Neuerscheinung: Pädagogisches Handeln angesichts der Digitalisierung

Axel Bernd Kunze: Pädagogisches Handeln angesichts der Digitalisierung – Bildungsethische Überlegungen zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Schule, in: Tim Raupach, Florian Fuchs (Hgg.): Bildungsautomaten? Beiträge zur Digitalisierung von Bildung und Lehre (ars digitalis), Wiesbaden: SpringerVieweg 2025, S. 191 – 211.

Der Band ist jetzt auch in seiner Druckfassung erschienen.

Der IQB-Bildungstrend wie die jüngste PISA-Studie haben 2023 gezeigt, dass es um das Textverstehen an deutschen Schulen nicht zum Besten bestellt ist. Auffällig ist nicht allein der Kompetenzrückgang in Deutsch. Der IQB-Bildungstrend hat zugleich verdeutlicht, dass Deutsch zu einem unbeliebten Fach geworden ist. Auch hier dürften die Gründe vielfältig sein. Schule determiniert nicht den gesamten Lebenslauf. Aber viele, die in der Schulzeit keinen Zugang zur Freude am Lesen  und zum differenzierten Umgang mit Texten gefunden haben, werden solches auch im weiteren Leben nicht vermissen.

Doch braucht es in Zeiten Künstlicher Intelligenz (KI), deren Einsatz sicher weiter wachsen wird, überhaupt noch Lesefähigkeit, Textverstehen und differenzierte Ausdrucksfähigkeit? Werden diese Kompetenzen, wenn nicht ersetzt, so doch wenigstens zunehmend durch KI unterstützt? Fast könnte es so scheinen, wenn man die im Vergleich zu früheren Jahren eher gelassenen Reaktionen auf die jüngste PISA-Studie betrachtet. Und so lässt sich weiter fragen: Sollte KI stärker in die Unterrichtsmethodik integriert werden und den klassischen Unterrichtsverlauf verändern? Braucht es in unseren Schulen noch Schulbibliotheken oder sollte nicht besser in den Ausbau digitaler Infrastruktur investiert werden?

Weitere Informationen zum Sammelband:

Neuerscheinung: 35 Jahre Helenia Monasteria

Der Arbeitskreis der Studentenhistoriker berichtet über das fünfunddreißigjährige Jubiläum der Münsteraner ADV Helenia Monasteria und dokumentiert die Festrede zum Jubiläumsstiftungsfest zur Frage: „Wie kann ein fairer Diskurs eingeübt werden?“. Studentische Korporationen sind aus guten Gründen parteipolitisch neutral, das Thema passte aber bestens zum beginnenden Bundestagswahlkampf, der um das Stiftungsfest herum an Fahrt aufnahm.

Neuerscheinung: Alle sollen eins sein

Ut omnes unum sint. – Unter diesem Wahlspruch wurde die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbegründet. Alle sollen eins sein. Wir haben diesen Satz soeben im Evangelium gehört.

Alle sollen eins sein. – Karl Holzamer, Philosophieprofessor in Mainz und erster Intendant des ZDF, hat sich in seinen Lebenserinnerungen zu diesem Wahlspruch seiner Universität geäußert. Das Einssein, um das es hier gehe, so Holzamer, meine keine Gleichschaltung des Einzelnen und keine Uniformierung des Denkens – diese waren aus dem bei Gründung der Universität gerade zu Ende gegangenen Nationalsozialismus hinlänglich bekannt. Nein, es gehe um ein Einssein, das individuelle Haltungen weckt und stärkt. Holzamer wörtlich: ‚Mit dem Wunsch, dass alle ‚eins‘ sein sollten, […] sollten auch die geistigen Abwehrkräfte mobilisiert werden.‘

Wenn sich die Universität seinerzeit einen Vers aus dem Johannesevangelium zum Wahlspruch nahm, wollte sie sich damit ganz bewusst zu den Orientierungswerten des Abendlandes und zum christlichen Menschenbild bekennen.

Und richtig – der Wahlspruch führt uns direkt hinein in die Sendung Jesu und das Lebensprinzip derer, die ihm folgen.

Warum? Das beantwortet ein Gottesdienstmodell für den Siebten Sonntag der Osterzeit:

Axel Bernd Kunze: Alle sollen eins sein [Lesejahr C. Siebter Sonntag der Osterzeit], in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 22 (2025), H. 3, S. 469 – 484.

Vortrag: Ist Deutschunterricht noch Sprachunterricht?

Claus Maas, Sprecher der AG „Lehrer gegen Gendern“ und Bereichsleiter Schule im Verein Deutsche Sprache, holt seinen Vortrag nach, der im Rahmen der diesjährigen Didacta krankheitsbedingt leider ausfallen musste:

Ist Deutschunterricht noch Sprachunterricht

Der Vortrag findet am Dienstag, dem 8. April 2025, ab 16 Uhr in einer Präsenzveranstaltung am Sprachhof in Kamen, dem Domizil des Vereins Deutsche Sprache, statt.

Claus Maas schreibt zu seinem Vortrag: „Ich werde meine Beobachtungen aus jahrzehntelanger Praxis als Deutschlehrer und meine Ansicht über m.E. schwerwiegende Fehlentwicklungen in der Fachdidaktik mitteilen.

Nun habe ich eine Anzahl solcher Beobachtungen in einem Fachvortrag zusammen-

gestellt, den ich eigentlich im Februar aus Anlass der diesjährigen Didacta in  Stuttgart halten wollte, der aber abgesagt werden musste, weil ich in dieser Zeit 

mit einem schweren Atemwegsinfekt erkrankt war.

Die Kernthese des Vortrags lautet, dass die immer schlechter werdenden Ergebnisse von Erhebungen zur Sprachkompetenz zwar auch mit der Entwicklung der Schülerklientel und mit äußeren Einflüssen zusammenhängen dürfte – dass aber die maßgebliche Ursache dafür vielmehr systemimmanent und durch den über Jahrzehnte andauernden Prozess der Aushöhlung elementarer Aspekte und Schwerpunktsetzungen der Sprachdidaktik begründet ist. (Schon zu meiner Studienzeit in den 70er Jahren scheuten die meisten Germanistikstudenten/Studierenden der Germanistik  die Beschäftigung mit der Linguistik als Schwerpunktbereich im Hauptstudium und beschränkten sich auf den Erwerb der wenigen obligatorischen ‚Scheine‘.) 

Diese These führe ich aus, indem ich im Groben Schritte und Phasen der Veränderung skizziere, welche die Auffassung von Sprach- und Grammatikunterricht seit den  1990er Jahren erfahren hat und indem ich an wenigen Beispielen die Auswirkungen dieses Wandels auf Unterrichtsinhalte und Methoden aufzeige. Der Vortrag soll aber keine Generalkritik sein. Ich mache darin den Versuch, den Blick dafür zu schärfen, wo Deutschunterricht mit einfachen Mitteln eine  Rückbesinnung auf das Ziel der Erweiterung aktiver individueller sprachlicher Fähigkeiten  vornehmen und  ohne großen Aufwand eine Sensibilisierung für Nuancen der Sprachentwicklung und für die Möglichkeiten sinnentsprechenden (und zugleich sensiblen) Formulierens mit Hilfe des riesigen Repertoires sprachlicher  Muster und Varianzen erzielen kann.

Vor dem Hintergrund einer sehr behutsamen Rückbesinnung auch der Sprachwissenschaft auf die Auswirkungen didaktischer Konzepte, wie sie etwa in den Aufsätzen von Herrn Feilke („Die Sprache des Lernens – Praktiken Und Formen der Bildungssprache“ in: Die Bedeutung der Bildungssprache Deutsch in der Schule, Klinkhardt 2024  – sowie bereits vorher: Die Sprache in den Schulen – eine Sprache im Werden, Dritter Bericht zur Lage der deutschen Sprache, Darmstadt 2021) und anderen zum Ausdruck kommt und angesichts der dort beschriebenen Forderung nach mehr „konzeptioneller Schriftlichkeit“ hoffe ich zudem, dass diese Diskussion bald Fahrt aufnimmt.“

Im Hinblick auf die Tatsache, dass natürlich nicht jeder, der sich dafür interessiert, auch jederzeit den Weg nach Kamen auf sich nehmen kann, wird der Vortrag auch online zu verfolgen sein und darüber hinaus anschließend auf der VDS-Internetseite unter  vds-ev.de/vds-schule bzw. vds-ev.de/arbeitsgruppen/deutsch-in-der-schule eingestellt.

Neuerscheinung: Bildungsethische Überlegungen zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Schule

Druckfrisch erschienen:

Tim Raupach, Florian Fuchs (Hgg.): Bildungsautomaten? Beiträge zur Digitalisierung von Bildung und Lehre (ars digitalis), Wiesbaden: SpringerVieweg 2025.

Der abschließende der drei Hauptteile widmet sich medienethischen Fragen, darunter folgender Beitrag aus bildungssethischer Perspektive:

Axel Bernd Kunze: Pädagogisches Handeln angesichts der Digitalisierung – Bildungsethische Überlegungen zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Schule, in: ebd., S. 191 – 211.

Das Werk erscheint in gedruckter Form und als E-Book.

Jubiläum: 50 Jahre Evangelisches Schulwerk in Württemberg

… und dieses Jubiläum wurde am 18. März 2025 im Rahmen des diesjährigen Konvents des Evangelischen Schulwerks Baden und Württemberg in schwindelnder Höhe gebührend gefeiert: mit einem Panoramdinner auf dem Stuttgarter Fernsehturm – und dies bei bester Sicher und wenig Wind. Das Evangelische Schulwerk Baden und Württemberg vertritt rund sechshundertvierzig evangelische allgemeinbildende und beruliche Schulen im Südwesten. Ad multos annos!