„Wir schaffen das.“ Der Zustand unseres Landes zehn Jahre später ist ernüchternd. Anders als Erzbischof Heße in der Hildesheimer Kirchenzeitung (Nr. 16/2025, S. 38 f.) meint, ist der Satz nicht „zukunftsgerichtet“, sondern Ausdruck einer unpolitischen Haltung. Zum einen: Statt über unterschiedliche Positionen im Umgang mit Migration zu diskutieren, werden die Differenzen moralisierend abgewiesen. Aktion ersetzt das politische Urteil. Wer nicht aktivistisch mitmacht, wird aus dem öffentlichen Diskurs kommunikativ ausgeschlossen. Wollen wir „das“, was immer damit genau gemeint ist, überhaupt? Ist dieses „Das“ überhaupt im Interesse unseres Zusammenlebens? Merkels Entscheidungen in der Migrationspolitik entzogen sich der parlamentarischen Legitimation. Zum anderen: Der Satz verweigert jegliche Bereitschaft zur politischen Gestaltung. Eine populistische Parole ersetzt das tiefere Nachdenken über die Grundlagen des Staates und über das, was es braucht, diese zu erhalten. Wer ist mit diesem „Wir“ gemeint? Wohl nicht eine Politik, die sich um die notwendigen Ressourcen für die Erhaltung unseres Zusammenlebens sorgen sollte. Die Probleme eines überforderten Bildungsproblems oder eines strukturell überlasteten Sozialstaates, um nur zwei Beispiele zu nennen, sind überdeutlich, werden aber verdrängt – auch von Erzbischof Heße.
Monat: August 2025
Neuerscheinung: Gottesdienstmodell zum Erntedankfest
Axel Bernd Kunze: Herz des Evangeliums [Lesejahr C. Erntedank], in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 22 (2025), H. 5, S. 859 – 873.
Das Erntedankfest wird im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz in der Regel am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Es kann in Gemeinden aber auch Ende September oder, wo die Ernte noch nicht abgeschossen ist, an einem der folgenden Sonntage begangen werden. Zum Brauchtum dieses Tages gehören Erntedankprozessionen, das Schmücken der Kirche mit einer großen Erntekrone, Erntedankteppiche aus Feldfrüchten und Getreide vor dem Altar und die Segnung der Erntegaben. In schlichter Form können Brot und Weintrauben auf oder vor dem Altar stehen. Im sonntäglichen Gottesdienst an diesem Tag sagt die Gemeinde Gott als dem Schöpfer aller Gaben Dank für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit des Jahres, das sich herbstlich dem Ende zuneigt. Da das Erleben des Erntedankfestes in vielen Kindergärten ein zentrales Element im Jahreskreis darstellt, werden vielfach die Kinder in die Gestaltung des Erntedankgottesdienstes einbezogen. Wo das Erntedankfest gefeiert wird, werden die liturgischen Texte nicht vom jeweiligen Sonntag genommen, sondern passend zum Erntedank ausgewählt.
Gebet zum Erntedankfest:
Lasset uns beten. – Gott, unser Schöpfer, du gibst uns Nahrung, wie es recht ist. Du segnest unsere Arbeit und unser Tun. Darauf dürfen wir vertrauen. Wir danken dir heute für die Früchte dieses Jahres, für alles, was wir mit deiner Hilfe durch unsere Arbeit geschaffen haben. Segne die Ernte dieses Jahres, segne das, was uns gelungen ist. Nimm aber auch das an, was unvollendet geblieben ist, und wandle es in Segen. Darum bitten wir durch deinen Sohn, Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist uns Leben schenkt heute und bis in Ewigkeit. Amen.