Zwischenruf: Fertige Antworten in vorletzten Dingen

„Die Kirche wird ein Mosaik sein, das bunt schillert.“ So blumig umschreibt der im schweizerischen Freiburg lehrende Moraltheologe Daniel Bogner im heutigen Interview mit der WELT (Ausgabe vom 1. Juli 2024, S. 14 f.) die Zukunft der Kirche. Die statistische Wirklichkeit, die Ende der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, sieht ein wenig prosaischer aus. Die Kirche verliert an Mitgliedern, die Sakramentenspendungen gehen entsprechend auch zurück – beides zwar 2022 verlangsamt, aber doch mehr als deutlich.

In dieser Situation nimmt Bogner die Zukunft seiner eigenen Disziplin in den Blick: Kirchliche Ethik, so der Moraltheologe, könne heute nicht mehr „verbindliche Antworten“ und „fertige Lösungen“ vorgeben. Ihm ist zuzustimmen, wo es um verantwortlich gelebte christliche Nachfolge geht. Diese kopiert nicht einfach das Beispiel Jesu, sondern nimmt an seiner Person Maß, fragt danach, wie sein Vorbild heute verantwortlich gelebt werden kann. Christliche Existenz so verstanden, sind Christen immer Originale und keine Abziehbilder. Dort hingegen, wo Kirche heute mehr zivilgesellschaftliche Agentur als Glaubensgemeinschaft sein will, verkündet sie in vorletzten politischen Fragen erstaunlich fertige Antworten. Wer politisch anders denkt, wird vor die Tür gesetzt oder erst gar nicht zum Katholikentag eingeladen.   

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