Warum bleibt es wichtig, weiterhin für eine Aufarbeitung der Coronapolitik im Allgemeinen und der Rolle der Wissenschaft im Rahmen der Infektionsschutzpolitik im Besonderen zu streiten? Der „unpolitische“ Herr Drosten, der seine eigene Rolle in der Coronapolitikin seinem jüngste Sachbuch herunterzuspielen versucht, ist hier ein gutes Beispiel. Man sollte ihm die Rolle des unpolitischen, einfachen Laborwissenschaftlers nicht abkaufen.
Wenn es gilt, die Preispolitik des Deutschen Hochschulverbandes oder des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit zu kritisieren, dann geht es dabe nicht allein um eine Rückschau. Es geht entscheidend um die Zukunft. Derselbe Herr Drosten, der sich jetzt als einfachen Wissenschaftler zu verkaufen versucht, blickt breits auf künftige Pandemien voraus – und propagiert dabei eine Vorstellung von Wissenschaft, die dreihundert Jahre Aufklärung negiert. Im Kantjubiläumsjahr ist das besonders bemerkenswert.
Nein, komme wieder eine Pandemie sollte die Bevölkerung, wenn es nach Drosten und seinesgleichen geht, nicht durch „Fake News“ verunsichert werden. Im Gegenteil: Dem Meinungswirrwarr und Populismus soll präventiv gegengesteuert werdne, indem allein im Voraus bestimmte vermeintliche Experten die Richtung vorgeben und mediales Gehör finden. Wir dürfen annehmen, dass der „Hochschullehrer des Jahres“, Drosten, sich selber dazu rechnet. Eine gruselige Vorstellung: Ausgewählter Wissenschaftler dürfen ex cathedra verkünden, was Sache ist.
Der politische Schaden wäre immens. Die gesellschaftliche Spaltung würde ungeahnte Höhen erklimmen. Aber auch die Wissenschaft wäre zerstört. Denn Wissenschaft mit expertokratischem Wahrheitsanspruch unter Ausschaltung von Gegenmeinungen wäre keine Wissenschaft mehr. Es ist daher wichtig, dass die WELT am 27. Juni 2024 einem solchen ideologisch-freiheitsfeindlichen Machtgebaren Drostens deutlich widersprochen hat. Ein schönes Vorbild hat der Deutsche Hochschulverband damit zum „Hochschullehrer des Jahres“ gekürt. Nicht nur Studenten sollten vor einer solchen Selbstherrlichkeit vermeintlicher wissenschaftlicher Experten bewahrt werden – und zwar durch Bildung. Aufklärung und Bildung ermöglichen es, diesen pseudowissenschaftlichen Machtanspruch zu durchschauen und hoffentlich am Ende abzuwehren.