Festschrift: „Erinnerung und Versöhnung“ ehrt Franz Jung

Prälat Franz Jung ist der letzte Großdechant. Nach ihm wird dieser Titel, der in der katholischen Weltkirche einmalig ist, nicht wieder verliehen. Der preußische Staat hatte seinerzeit versucht, unter diesem Titel die zum Erzbistum Prag gehörende Grafschaft Glatz aus diesem zu lösen und der schlesischen Diözese Breslau zuzuschlagen – was misslang. Nach der Vertreibung der Deutschen aus der Grafschaft Glatz blieb der Titel erhalten. Die Großdechanten machten es sich zur Aufgabe, die vertriebenen Priester und Gläubigen zu sammeln und zusammenzuhalten.

Der letzte Amtsinhaber ist auch derjenige mit der längsten Amtszeit. Anlässlich seines vierzigjährigen Amtsjubiläums wird Franz Jung mit einer Festschrift geehrt:

Manfred Spata (Hg.): Erinnerung und Versöhnung. Beiträge zum Wirken von Großdechant Franz Jung für die Vertriebenen aus der Grafschaft Glatz von 1983 bis 2023, Münster (Westf.): Aschendorff 2023.

http://www.grafschaft-glatz.de/organe/grosdech.htm

Zwischenruf: Paulskirche ohne Burschenschafter

Wer darf die Frankfurter Paulskirche nutzen, wer nicht? Im aktuellen Jubiläumsjahr wollten auch die Burschenschaften der Demokratiebewegung von 1848 mit einem Festakt an historischer Stätte gedenken – kein Wunder. Schließlich wird die Paulskirchenversammlung nicht ohne Grund auch als „Burschenschafterparlament“ bezeichnet. Die Stadt Frankfurt war mit diesem Ansinnen überfordert – und eierte herum. Am Ende fiel der burschenschaftliche Festakt der politischen Korrektheit zum Opfer und wurde abgesagt. Selbst die einstmals bürgerliche „Zeitung für Deutschland“ namens F.A.Z. hält das Verhalten der Stadt in diesem Fall für peinlich. Doch der Vorgang ist keinesfalls ein Einzelfall.

Unsere Staatsorgane haben schon in den zurückliegenden Jubiläumsjahren (2015: 200  Jahre Urburschenschaft, 2017: 200 Jahre Wartburgfest, 2022: 100 Jahre Lied der Deutschen als Nationalhymne) die burschenschaftlichen Wurzeln der deutschen Einigungsbestrebungen und Nationalstaatsgründung verleugnet. Das wiegt umso schwerer, als mit Flagge und Hymne sich mindestens zwei zentrale Staatssymbole diesen burschenschaftlichen Wurzeln verdanken. Aber es zeigt einmal mehr, wie wir mit Tradition, Geschichte und Identität unseres Staates umgehen. Es bleibt ein Trauerspiel. 

https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/praezise-regeln-fuer-vermietung-der-paulskirche-noetig-18963343.html

Rezension: Ist Wokeness der neue Tugendterror?

Die Debatte um „Wokeness“ und „Cancel Culture“ geht weiter – auch hierzulande. Sebastian Sigler, Journalist und Historiker, bespricht aktuell folgenden Titel:

Alexander Marguier, Ben Krischke: Die Wokeness-Illusion – Wenn Political Correctness die Freiheit gefährdet, Freiburg i. Brsg./Basel/Wien 2023, 127 S., geb., ISBN 978-3-451-39556-7, 16 Euro.

Die Rezension findet sich unter folgendem Link:

Zwischenruf: Achte Kirche in Münster profaniert

Die Klinikenkirche Maria – Heil der Kranken im westfälischen Münster ist am gestrigen Fronleichnamstag profaniert worden. Das „Christliche Forum“ berichtet über die Abschiedsmesse. Diese Nachricht liegt mir besonders am Herzen, da ich in der Kirche mehrere Jahre ministriert habe. Der Glaube hängt nicht allein an Kirchengebäuden, das ist richtig. Richtig ist aber auch: Kirchen sind steinerne Zeugen für den Glauben. Jede Kirche ist ein Verlust. Ein Akt wie in Münster zeigt, wie der Glaube in unserem Land immer mehr verdunstet. Freuen sollten wir uns nicht darüber, im Gegenteil.

Reaktion: CDU reagiert auf Publikation des Arbeitskreises „Stadt und Gesellschaft“

Im Auftrag des Parteivorsitzenden reagierte Monika Bendig-Krebs aus der Hauptabteilung Politik und Programm in der CDU-Bundesgeschäftsstelle auf die Veröffentlichung „Stadt und Gesellschaft“ gegenüber der KPV Mönchengladbach: „Die Broschüre ist ausgesprochen informativ und es freut mich sehr, dass es Ihnen damit gelungen, wieder Leben und frischen Wind in die Organisation zu bringen. Mit den beiden Diskussionsabenden ‚Political Correctness‘ und ‚Gendersprache‘ als auch mit dem Diskussionsabend ‚Was ist konservativ‘ haben Sie sich mit wichtigen Themen befasst, die den Markenkern der CDU berühren.“

BILDUNGSGERECHTIGKEIT berichtete über die Neuerscheinung:

Neuerscheinung: Bildungsethische Gedanken zu einer pädagogischen Ethik des Digitalen

„Bildungsethisch soll am Ende die Hoffnung stehen, dass die vorstehenden Elemente einer erneuerten Kultur in digitalen Zeiten politisch keineswegs folgenlos bleiben werden. Eine erneuerte Ethik, die sich an einem substantiellen Bildungsbegriff orientiert und auf die Selbstbestimmung des Einzelnen setzt, wird auch eine erneuerte Kultur politischer Auseinandersetzung fördern, eine Kultur der verbindlichen, präsenten, vertieften, am Subjekt orientierten Kultur des öffentlichen Diskurses – auch und gerade in digitalen Zeiten. Beginnen wir das Gespräch darüber.“

Auszug aus:

Axel Bernd Kunze: Die Tugend der Mäßigung – bildungsethische Gedanken zu einer pädagogischen Ethik des Digitalen, in: Glaube + Erziehung 75 (2023), H. 3, S. 6 f.

Rezension: Afrika – Perspektiven für Theologie und Kirche

Axel Bernd Kunze bespricht im neuen Themenheft „Afrika – Perspektiven für Theologie und Kirche“ der internationalen Fachzeitschrift CONCILIUM die folgenden zwei Bände:

  • Klaus Hock/Claudia Jahnel (Hgg.) Theologie(n) in Afrika. Ausgewählte Schlüsselbegriffe in einem umstrittenen Diskursfeld (Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie; 70), Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2022, 257 Seiten;
  • Marco Moerschbacher (Hg.): Afrika (Kirche und Katholizismus seit 1945), Paderborn: Ferdinand Schöningh 2021, 615 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Eine Art theologischer Landkarte, in: Concilium 59 (2023), H. 2, S. 249 – 253.

Diskussion um Selbstbestimmungsgesetz: Kritik an Forderung des deutschen Queerbeauftragten

Österreichisches Nachrichtenportal kritisiert Forderungen des deutschen Queerbeauftragten im Vorfeld des geplanten Selbstbestimmungsgesetzes: „Auch Familienmitglieder sollen künftig beim Verstoß gegen das Offenbarungsverbot Bußgelder zahlen müssen. In der bisherigen Fassung sind sie aufgrund eines ’schützenswerten Interesses‘ vom Offenbarungsverbot ausgenommen.“

https://exxpress.at/radikaler-verbotsplan-der-gruenen-kinder-duerfen-nicht-mehr-papa-sagen/

Kirchliche Publizistik: Chefredakteurin des Deutschlandfunks fordert Erhalt kirchlicher Medien

Köln/Kürten, 1. Juni 2023. Die Chefredakteurin des Deutschlandfunks, Birgit Wentzien, hat einen offensiven Umgang mit Künstlicher Intelligenz in den Medien gefordert. „Es ist doch so: Aufhalten können wir die Entwicklungen nicht. Sich angstvoll wegzuducken, wäre auch falsch. Nicht die KI bedroht unsere Arbeit, sondern diejenigen, die sie in böser Absicht nutzen“, sagte Wentzien den „Informationen“, der Monatszeitschrift der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) (Juni-Ausgabe). „Alles, was wir mit Hilfe der KI tun, müssen wir transparent und nachvollziehbar machen“, so die DLF-Chefredakteurin weiter.

Wentzien forderte den Erhalt kirchlicher Medien. Dieses Angebot brauche es unbedingt. „Medienarbeit darf für die Kirchen kein Luxus sein. Sie ist für ihre Arbeit essenziell. Ich sehe daher die jüngsten Kürzungen und Streichungen sehr kritisch.“ Als Protestantin, so Wentzien, denke sie hier zuerst an das Aus für die „Evangelische Journalistenschule“. Das seien Verluste, „die sich kommunikativ nicht mehr wettmachen lassen“. Inhaltlich wünscht sie sich von den verbliebenen kirchlichen Medien „mehr Disput, mehr Lust an der Kontroverse – in einer Form, die sich vom sonst leider üblichen Gezeter und Geschrei unterscheidet. Streiten muss man können. Kirchliche Medien sollten vormachen, wie das geht.“

Als Voraussetzung für den Bestand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland machte Wentzien sich für Konsequenzen aus den jüngsten Skandalen etwa um die frühere Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, Patricia Schlesinger, stark. Es werde das öffentlich-rechtliche System auch noch in 20 Jahren geben, „wenn wir diejenigen nicht nur gewähren lassen, sondern auch bestärken, die Fehler in den Häusern ausfindig und publik machen“.

Die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stehe auf dem Prüfstand. „Wir müssen über die Schwächen reden und aus den Fehlern lernen“, sagte Wentzien, die seit 2012 im Amt ist. Gleichzeitig beklagte sie in der gegenwärtigen Medienlandschaft eine zu defensive Haltung von Journalistinnen und Journalisten. „Wir sollten das, was wir leisten, frohgemut ins Schaufenster stellen. Die Freiheit der Presse und des Rundfunks, die wir als Journalistinnen und Journalisten in diesem Land genießen, ist spektakulär. Das müssen wir leben – und verteidigen.“

Am 16. Juni diskutiert Wentzien im Rahmen einer Tagung der GKP anlässlich deren 75-jährigen Bestehens in Köln über die Zukunft des Journalismus. Mit dabei ist unter anderem auch „Stern“-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Hinweise zum Programm finden Sie unter www.gkp.de/medienarbeit-darf-fuer-die-kirchen-kein-luxus-sein

Die Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) ist ein Zusammenschluss von mehrals 550 Medienschaffenden. Auf der Basis des christlichen Glaubens trägt sie zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit bei, insbesondere im Zusammenhang mit Fragen des publizistischen Bereiches. Seit 1984 verleiht die GKP die Franz-von-Sales-Tafel an Menschen, die sich als katholische Publizistinnen und Publizisten besondere Verdienste erworben haben.

Quelle: Pressemitteilung der GKP (www.gkp.de)

Neuerscheinung: Coronapolitik und ihre Folgen – Nichts gewusst?

„Politiker und Medien rechtfertigen die massiven Freiheitseinschränkungen während der Pandemie mit dem mangelnden Wissen über das Coronavirus. Doch dies ist nichts weiter als ein Mythos – denn bereits frühzeitig zeigten Studien, dass der Effekt von Lockdown und Maskenpflicht nicht ins Gewicht fiel.“

Der Tübinger Wissenschaftler Boris Kotchoubey geht in einem längeren Beitrag für das Magazin „Cicero“ – ein Jahr nach der fragwürdigen Impfpflichtdebatte im Bundestag – der Frage nach, was die politisch Verantwortlichen angesichts ihrer polarisierenden Coronapolitik schon damals hätten wissen können und was nicht. Seine Antwort fällt deutlich aus: Man hätte mehr wissen können, wenn man gewollt hätte – und dies wäre für eine angemessene Verhältnismäßigkeitsprüfung und differenzierte Abwägung der Infektionsschutzmaßnahmen wichtig gewesen. Um der Freiheit, des Rechtsstaates und der Humanität willen.

Teil I: https://www.cicero.de/innenpolitik/corona-pandemie-lockdown-maskenpflicht

Teil II: https://www.cicero.de/innenpolitik/corona-pandemie-impfung