„Mit einer Pressekonferenz von Kardinal Law Anfang 2002 in Boston begann die kirchliche Missbrauchsdebatte. 2010 erreichte die Debatte mit den Enthüllungen um das Berliner Canisiuskolleg auch die deutsche Kirche. Mehr als zwanzig Jahre hält die quälende Debatte nun mittlerweile an. Das Vertrauen in die Kirche hat schwersten Schaden genommen. Und noch immer ist die Lage unübersichtlich, wirken die Verantwortlichen in der Kirchenleitung verunsichert und ratlos, wie sie angemessen reagieren sollen. Die hohen Kirchenaustrittszahlen lassen sicht nicht monokausal erklären, die Folgen der Missbrauchskrise sind aber sicherlich eine gewichtige Ursache hierfür. Zwei Bände aus dem Feld theologischer Missbrauchsforschung machen deutlich, wie der Glaube durch die Missbrauchsskandale gleichermaßen herausgefordert wird, aber auch heilend wirken kann.“
Axel Bernd Kunze (Rez.): Herausgeforderter und heilender Glaube, in: Concilium 59 (2023), H. 4, S. 474 – 479.
Sammelrezension zu: Hans-Joachim Sander: Anders glauben, nicht trotzdem. Sexueller Missbrauch der katholischen Kirche und die theologischen Folgen, Ostfildern: Matthias Grünewald 2021, 223 Seiten; Lia Alessandro/Anja Middelbeck-Varwick/Doris Reisinger (Hgg.): Kirchliche Macht und kindliche Ohnmacht. Konturen, Kontexte und Quellen theologischer Missbrauchsforschung, Münster i. Westf.: Aschendorff 2023, 194 Seiten.