Digitale Medien beinhalten ein Potential der Fremd- und Selbstschädigung, schreibt Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD und Sozialethiker, in seiner neuen „Ethik der Digitalisierung“ – und plädiert für smartphonefreie Bildungsräume. Schafft die Handys aus den Klassenzimmern, fordert dieser Tage die NZZ. Nehmt Kindern die Handys weg, schreibt Hannah Bethke am 17. August in der WELT. Immer mehr zeigt sich, wie abhängig wir vom Smartphone geworden sind, auch wenn die wenigsten sich das eingestehen mögen. Die digitalen Endgeräte verändern längst Schule und Lernverhalten, wirken sich auf Motorik, Sozialverhalten und Konzentrationsfähigkeit aus. Mit gewaltigen Folgen für das Lese-, Diskussions- und Kommunikationsverhalten. Es ist dringend an der Zeit, offen darüber zu diskutieren und – wie Bethke es fordert – strengere Regeln an den Schulen einzuführen. Je mehr eine differenzierte Lese-, Buch- und Textkultur verschwindet, desto mehr verfällt der öffentliche Diskurs. Am Ende steht, so die WELT-Journalistin, eine neue selbstverschuldete Kultur der Unmündigkeit. Es geht nicht um einseitige Technikkritik, wohl aber um einen Primat der Erziehung und Bildung vor der Technik, die immer nur dienende Funktion haben kann. Denn anspruchsvolles Selberdenken kann uns keine Technik abnehmen. Das muss gelernt werden, und hierfür braucht es Orte und Zeiten der Muße, der Konzentration, der Anstregung und der geduldigen Einübung. Das Smartphone, die beständige, flüchtige Dauerkommunikation binden Kräfte, die hierfür fehlen. Aufmerksamkeitsregulation wird die entscheidende, knappe Kompetenz des einundzwanzigsten Jahrhunderts sein, die es zu fördern gilt – bevor es zu spät ist.
ZUM WEITERLESEN ZUM THEMA:
Axel Bernd Kunze: Gestörte Kommunikation. Eine bildungsethische Spurensuche in flüchtigen Zeiten, in: Harald W. Kuypers (Hg.): Pädagogisch Handeln. Festschrift für Prof. Dr. Volker Ladenthin (Pädagogik in Europa in Geschichte und Zukunft; 22), Bonn 2023, S. 119 – 129.
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