Kommentar: Katholische und muslimische Kinder üben den gleichberechtigten Dialog? – Das Bistum Hildesheim geht problematische Wege

In Gifhorn – im Bistum Hildesheim – ist in diesem Jahr eine katholisch-muslimische Kindertagesstätte namens „Abrahams Kinder“ eröffnet worden. Die Presse hat ausdrücklich darüber berichtet, beispielsweise die „Tagespost“ vom 16. August 2018: „Mittagessen mit Mohammed“ (S. 30). Das Projekt ist reichlich umstritten – zu Recht, wie ich meine. Die katholische Kirche zieht sich in der norddeutschen Diaspora aus verschiedenen Gründen mit ihrer Pastoral aus der Breite zurück. Gleichzeitig scheint es aber genügend Ressourcen für ein derart fragwürdiges Projekt zu geben. Vom bleibenden Missionsauftrag der Kirche ist bei den Verantwortlichen überhaupt kein Wort mehr zu vernehmen.

Bei allem Verständnis für den Dialog zwischen unterschiedlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften ist es nicht Aufgabe der katholischen Kirche, Trägeraufgaben für fremde religiöse Angebote zu übernehmen. Wenn Bedarf für einen muslimischen Kindergarten bestehen sollte, bleibt es Aufgabe muslimischer Träger, einen solchen im Rahmen der verfassungsrechtlichen Religionsfreiheit zu gründen. Überdies ist der Verein DITIB aufgrund seiner politischen Bindungen an die Türkei ein problematischer Kooperationspartner, dessen Charakter als Bekenntnisorganisation sehr fragwürdig ist. Die Kirche misst hier eindeutig mit zweierlei Maß: Während sich die Kirchenführungen von einer Bundestagspartei wie der AfD auch ohne zwingende Beweise für verfassungsfeindliche Bestrebungen deutlich distanzieren (die Studie des Münsteraner Instituts für Christliche Sozialwissenschaften im Auftrag der Katholischen Büros in den neuen Bundesländern spricht an dieser Stelle Bände), hat man in diesem Fall weniger Berührungsängste; dies wird sich vermutlich auch jetzt nicht ändern, nachdem DITIB zumindest zum Prüfungsfall für den Verfassungsschutz geworden ist.

Das Projekt in Gifhorn ist aber nicht allein politisch blauäugig, sondern auch pädagogisch wenig zielführend. Dialog setzt voraus, dass der Einzelne in seinem eigenen Glauben beheimatet ist und etwas in das gemeinsame Gespräch einzubringen hat. Die Auseinandersetzung mit fremden religiösen Überzeugungen kann nur auf Basis des Eigenen gelingen. Wenn Kinder gleichberechtigt in das Christentum und den Islam eingeführt werden sollen, führt dies zu einer diffusen und indifferenten Lernumwelt, welche die religiöse Erziehung eher behindert als erleichtert – wobei von interreligiöser Gleichberechtigunng bei diesem Projekt sowieso keine Rede sein kann, wenn für die Kinder ausschließlich nach Halalregeln gekocht wird.

Die Äußerungen des Gifhorner Bürgermeisters in der Presse lassen erahnen, was am Ende von der religiösen Erziehung in einer vermeintlich katholischen Kindertageseinrichtung noch übrig bleibt: Religion wird auf ihren ethischen Gehalt reduziert , und die bestehenden Unterschiede zwischen den Religionen werden eingeebnet. Religiöse Erziehung bedeutet dann nur noch soziales Lernen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner im Sinne einer allgemein menschlichen Wertschätzung. Wir betrügen unsere Kinder damit um religiöse Erfahrungen; den christlichen Glauben werden wir auf diese Weise nicht lebendig erhalten können. Es ist eine kluge Entscheidung, dass sich die evangelische Kirche schlussendlich aus Sorge um ihr evangelisches Profil als Bildungsträger aus diesem gemeinsamen Vorhaben herausgehalten hat. Vermutlich bleibt es eine vergebliche Hoffnung, dass der neue Hildesheimer Bischof sich seiner Hirtensorge besinnt und das fragwürdige Projekt beendet. Dies würde nicht das Ende des interreligiösen Dialogs bedeuten, im Gegenteil.

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